Der Schrei nach Macht und Selbstbestimmung –die deformierte Persönlichkeit der Lehrenden
- Sijia Ma
- 26. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Dieser Text ist keine Abrechnung mit einzelnen Personen. Er ist eine Analyse einer pädagogischen Struktur, in der Macht als Erschöpfung getarnt und Grausamkeit als Fürsorge verkauft wird.
Dieser Text arbeitet nicht mit Empörung, sondern mit Beobachtung. Nicht mit moralischem Urteil, sondern mit struktureller Analyse.
Was hier beschrieben wird, ist kein Ausnahmefall, sondern ein wiederkehrendes Muster.

"Ich bin kein Züchtiger, ich bin kein Moralist. Ich bin ein Lehrer im vornehmsten Sinne: einer, der Bedingungen schafft, unter denen etwas möglich wird." --Friedrich Nietzsche
Ecce Homo
Wenn jemand mit stolz gespielter Müdigkeit die Hand an die Stirn schlägt und seufzt: „Mein Gott, ich bin immer so erschöpft vom Schüler-Schimpfen“, dann liegt für einen Moment etwas in der Luft. Kein Mitgefühl. Kein Berufsethos. Sondern ein feiner Rauch aus Selbstüberhöhung, Gekränktheit und verdeckter Lust.
Diese Müdigkeit ist keine Erschöpfung. Sie ist Pose.Sie sagt nicht: Ich bin überfordert, sondern: Seht her, wie viel Macht ich täglich ausüben muss.Das Klatschen auf die Stirn ist kein Reflex, sondern ein Bühnenzeichen.
Der leidende Lehrkörper inszeniert sich hier als Opfer seiner eigenen Autorität. Die Klage dient nicht der Reflexion, sondern der Absicherung: Wer leidet, kann nicht hinterfragt werden. Wer erschöpft ist, steht moralisch über Kritik. Müdigkeit wird zur Währung, Erschöpfung zum Ausweis von Bedeutung.
In diesem Moment kippt Pädagogik in Narzissmus. Der andere – der Schüler – existiert nur noch als Ursache des eigenen Zustands. Nicht als Subjekt, sondern als Belastung. Als Material. Als Störgeräusch im Selbstbild der Lehrenden.
Und dort, wo die Klage lustvoll wiederholt wird, mischt sich etwas Sadisches hinein. Denn das Schimpfen, über das man sich beklagt, ist oft das, was man nicht lassen will. Es ist die tägliche Dosis Selbstbestätigung: Ich darf bewerten, herabsetzen, ordnen. Ich bin das Maß. Ich bin erschöpft – also habe ich recht.
Nietzsche hätte das sofort durchschaut. Nicht der Schüler ist das Problem, sondern der Lehrer, der Macht mit Bedeutung verwechselt. Der nicht führen kann, ohne zu verletzen. Der Klang erzeugen will, indem er auf das Instrument schlägt.
Wahre Autorität ist leise. Sie braucht keine Erschöpfungsrhetorik. Sie muss sich nicht beklagen, weil sie nicht kämpft. Sie schafft Bedingungen, unter denen Lernen geschieht – und zieht sich dann zurück.
Wer hingegen ständig von seiner Müdigkeit spricht, verrät etwas anderes: den verzweifelten Wunsch, gebraucht zu werden. Um jeden Preis. Selbst auf Kosten derer, die angeblich unterrichtet werden.
Der Schrei nach Selbstbestimmung der Lehrenden ist oft nichts anderes als der Schrei nach unangefochtener Macht. Und je lauter er vorgetragen wird, desto deutlicher zeigt sich die innere Deformation, die ihn hervorbringt.

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